F.C. Hertha 03 Zehlendorf

F.C. Hertha 03 Zehlendorf

25.12.2020 / Verein

Gedanken zum Jahresabschluss

Olli's Gedanken in zwei Teilen....

Heute : Teil 1

Was für ein Jahr! Aber liest und hört man das nicht in ähnlicher Form in jedem Dezember? Doch die letzten zwölf Monate waren nicht nur aus Vereinssicht schon sehr speziell: Hygienekonzepte mussten erstellt und immer wieder angepasst werden, der Trainingsbetrieb wurde vollständig außer Kraft gesetzt und anschließend vorsichtig wieder hochgefahren. In den warmen Monaten schien sogar fast so etwas wie Normalität einzukehren, bis uns das Virus wieder einholte.

Nun fehlt uns genau das, was wir in „guten Zeiten“ so oft beklagt haben: Der triste (Sport-)Alltag. Hartes Training (bei schlechtem Wetter), manchmal nicht so spannende Spiele, auch Siege und bittere Niederlagen. Die Jungs vermissen den Spaß mit dem Ball, die Trainer das Tüfteln an taktischen Varianten, die Eltern und Fans das Warten auf das Wochenende und den Sportplatzbesuch. Ja, und vermutlich sehnen sich „Zippo, Eisi, Kiki & Co.“ auf der Geschäftsstelle nach dem Trubel, den sie manchmal insgeheim verteufelt haben.

Ich, der ich überwiegend die Oberliga-Mannschaft begleite und darüber berichte – immer an der Seite meiner Frau Kerstin, die für die wunderbaren Fotos verantwortlich ist – schildere hier einfach mal so ein Wochenende, wie ich es häufig erlebt habe und das mir inzwischen so fehlt.

Wir sind privilegiert und dürfen unseren Wagen auf dem Mitarbeiter-Parkplatz abstellen. Damit bleiben uns weite Wege erspart. Nicht verkehrt, wenn ich bedenke, was meine Frau sich inzwischen an (Foto-) Ausrüstung zugelegt hat, - dabei fehlt ihr natürlich doch immer noch irgendetwas, was sie unbedingt benötigt: „Ein lichtstärkeres Objektiv wäre schön, dann wären die Bilder bei Abendspielen unter Flutlicht noch schärfer“, bekomme ich zu hören und zeige natürlich (echtes) Verständnis. Was soll ich auch machen? Dabei kann bei Außenstehenden schon mal der Eindruck entstehen, wenn sie vollbepackt über den Platz läuft, dass sie ihren gesamten Hausstand mit sich führt. „Zieht sie von zuhause aus? Verlässt sie ihn etwa?“ Für die einen sind es Handtaschen, für andere Schuhe – so hat jede(r) seine Vorlieben.

Anschließend stolpern wir über den „historischen“ Parkplatz mit den wundervollen Pflastersteinen, die schon meine Oma in den Siebziger und Achtziger Jahren „so wunderbar“ fand. Es waren die Zeiten, in denen die Schuhe der älteren Damen allein schon eine Herausforderung darstellten: Meist etwas klobig, bequem waren sie bestimmt nicht. Dass man überhaupt darin gehen konnte… Und dann noch diese Steine, die mir schon – noch einige Jahrgänge jünger und mit guten Sportschuhen ausgestattet – Probleme bereiten. Meistens hört man an dieser Stelle schon den ersten Torjubel herüber wehen. „Mist, wärst ich etwas schneller gewesen, hättest ich den Treffer noch gesehen“, schießt es mir unwillkürlich durch den Kopf - seit Jahrzehnten immer das gleiche.

Die ersten Knirpse kommen einem entgegen – mit Trainingstaschen, die ihre Körpergröße manchmal überragen. Sie hatten das Glück und durften schon früher „ran“. Aus Elternsicht gefühlt um 6:00 Uhr morgens. Erfolgt der Anpfiff eigentlich unter Flutlicht? Abends müssen die Kleinen vor dem Dunkelwerden zuhause sein. Abends nicht lange aufbleiben dürfen, dafür aber (fast noch) in der Nacht schon Fußballspielen müssen. Für den Sonntagmorgen scheint Dunkelheit keine Rolle zu spielen.

Meistens besuchen wir die Regionalliga- oder Bundesligaspiele der A- und B-Junioren. Ach ja, die B-Junioren. Das sind die, die der DFB nicht mehr dabei haben möchte, weil die Abwehr unserer Nationalmannschaft um Ginter, Süle und Gosens nur dadurch so brüchig wird, da „wir“ in der höchsten Klasse des Landes spielen. Mir war lange einfach nicht klar, dass wir hier in Zehlendorf fast (haupt-) verantwortlich sind, dass die Spanier... Und die letzte WM und so viele schlechte Spiele. Blöd nur, dass unsere B-Junioren penetrant so viele Punkte sammeln, dass man fast „befürchten“ muss, dass sie dem DFB nicht den Gefallen tun und einfach vorher selbst absteigen. Einfach „ärgerlich“, wo es doch um die „große DFB-Sache“ geht. Mir ist es daher ein Rätsel, warum unser „Präsi“ unseren Trainern nicht mal so richtig „dazwischenfunkt“ - von wegen: Verliert besser, es geht schließlich um nationale Interessen.

Unsere A-Junioren hoffen, dass Corona irgendwann (möglichst schnell) vorüberzieht. Es fehlen schließlich noch ein paar Punkte zum Aufstieg, der für den DFB ebenso einer Katastrophe gleich käme. Noch so ein unliebsamer Amateurverein. Vor ein paar Wochen noch, vor den beiden letzten unnötigen Unentschieden, hätten sie die Corona-Pause vielleicht lockerer genommen. Auf Platz 1 ließe sich ein Saisonabbruch schließlich leichter verkraften… Unsere C-Jungs benötigen auch noch einige Zähler zum Klassenerhalt, denn da steigt ja fast die gesamte Liga ab. Also, könnte doch ruhig weitergehen.

Die Spiele beginnen meist um 11:00 Uhr – viel zu früh für „Pommes & Currywurst“, obwohl einem der Duft aus dem „Club 03“ schon entgegenschlägt. Ich selbst, Marathonläufer, kann euch alle ohnehin vor solch ungesundem Essen nur warnen. Ich bin sogar in diesem verrückten Jahr Marathon gelaufen: Am üblichen Wochenende Ende September mit ein paar anderen Verrückten, die ebenfalls nichts anderes zu tun hatten, als 42,195 Kilometer am Stück durch die Gegend zu rennen. Für alle Nichtläufer (dies hier ist schließlich ein Fußballverein): Die Strecke ist nicht das Problem, nur die Zeit, in der man sie zurücklegen will, kann einem zusetzen. Und doch werde ich am Bistro immer wieder schwach. Danke Jens, Kerstin und Joe für die Kilos, die ich zusätzlich immer mitschleppen und wieder abtrainieren muss. Dazu muss ich auch noch aufpassen, dass mich nicht der Athletiktrainer (Lukas) oder die Physiotherapeutin (Annika) dabei erwischen („Du als Läufer müsstest doch wissen...“). Klar, die Ernährung habe ich, seit das Club03 geschlossen hat, konsequent umgestellt – jedenfalls nach Weihnachten, nach den Plätzchen.

Wenn ich übrigens richtig Glück habe und mir „nur“ zwei Standpauken von Lukas und Annika anhören musste, kneift mir auch noch der „Präsi“ in die Hüfte: „Na, wann läufst du wieder?“

Und dann beginnen die Spiele. Obwohl alle Junioren-Teams starke Leistungen abgerufen, meist sogar die Erwartungen übertroffen haben, sieht meine persönliche Bilanz als Zuschauer eher dürftig aus. Zum Glück wissen das die Trainer nicht. Auch Alex Kwasny und der „andere“ (Insiderscherz mit Kevin Tiefenbach), die ich vor der Saison (und nach dem Aufstieg der B-Junioren) interviewt habe, ahnen nicht, dass ich wahrlich nicht zum Glücksbringer tauge – sonst wären sie nicht immer so freundlich zu mir. Ich gelobe aber Besserung.

An der Kasse trifft man vorher auf Heike und Gudrun, die übrigens am nächsten Tag bei den Männern dort wieder sitzen und inzwischen über ein gewisses Wohnrecht dort verfügen. Dass die beiden immer noch wissen, wo ihr (richtiges) zuhause ist... Im Notfall gibt es ja ein Navi. Man kann Gudrun aber auch in der Kabine als Betreuerin des Oberliga-Teams antreffen, oder in der Waschküche oder, oder, oder. Aber in Herthas Garten, das ist nicht Gudrun, das ist Heike – falls sie mal wieder jemand verwechseln sollte.

Die B-Mädchen habe ich erst einmal gesehen, gegen Union war das. Ein herrliches Spiel. In der ersten Halbzeit hatte ich das Gefühl, mich auf einen Rummelplatz verirrt zu haben. Jeder Schuss ein Treffer: 5:2. Das war eine helle Freude. Am Ende wurde es ein wenig eng, aber 5:4 ist auch gewonnen. Als ich mir fest vorgenommen hatte, als Fan bei „Zippo“ ein Trikot der Mädels zu bestellen, wurde die Saison unterbrochen. Gegen Jena wäre ich gern dabei gewesen. So habe ich noch ein wenig Zeit, mir zu überlegen, welchen Spielerinnen-Name ich auf die Rückseite beflocken will. Ich bin noch unschlüssig, schließlich war es eine tolle Teamleistung. Sind die eigentlich auch ein Dorn im Auge des DFB? 

 

.... morgen folgt Teil 2!

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