29.07.2026 / Verein
Heute hätte Otto Geburtstag. Unser Präsident, der Macher , der Motivator, der Schullehrer, der DFB – Fußballlehrer, der Jugendtrainer.
Da steht er, im typischen Trainingsanzug der 50er, auf dem Schotterplatz 5 vom Siebenendenweg: „So Jungs, legt euren Ball auf die Strafraumgrenze vor dem Tor.
Egal wie oft ihr schießt – wer die Torlatte trifft, bekommt `ne Fassbrause!“
Otto Höhne, 36 – icke 12. Die Brause spendierte er sofort nach Trainingsschluss bei “Z 88“, 30 m hinter unserem Fußballplatz.
Was beinhaltete die Aufgabe für uns Jungs: alles Wichtige, das Körper und Hirn brauchen für unseren geliebten Sport!!
Otto, der schlaue Fuchs mit großem Charisma, hatte uns gepackt.
1926 in Soldin, in der Neumark (heute in Polen), geboren, wuchs Otto glücklich auf und lernte Fußball kennen und lieben.
Er war 6 als die Nazis die Wahlen gewannen und die Regierung übernahmen. Und die begannen sehr viel im Leben von Jungen und Mädchen mitzubestimmen und zu beeinflussen.
1944 wurde Otto eingezogen und erlitt mit 17 eine Kriegsverletzung – Durchschuss des linken Ellenbogens. Dazu kam er auch noch in russische Gefangenschaft.
Sowohl bei der medizinischen Rettung seines Armes, als auch der Gefangenschaft, schwebte die Glücksgöttin über Otto. Schon 1946 wurde er freigelassen und ging nach Berlin.
Innerhalb eines Jahres machte er sein `Abi` nach und besuchte vorbereitende Seminare für das Lehren an der Schule. Die Schulen brauchten Lehrer, da sehr viele gefallen oder Berufsverbot bekommen hatten. Bereits im Oktober 1947 durfte Otto an einer Kreuzberger Grundschule die Arbeit aufnehmen. 1950 und 1954 bestand er alle Lehrerprüfungen bestens.
Er startete auch gleich mit Schulfußball und übernahm die Leitung im Bezirk. Er selbst spielte beim TSV Helgoland in Mariendorf.
Unser Glück: er bezog eine Wohnung in der Finckensteinallee und in der Folge kaufte er ein Grundstück am Dahlemer Weg.
Er war ungewöhnlich leistungsstark. Wenig Schlaf, fast wie der große Erfinder Edison, reichten ihm: Familie, Hausbau, tägliche Fahrten mit seinem Auto nach Kreuzberg und zurück, bei abendlichen Sitzungen gar zweimal, und nachmittags zu Fortbildungen und zu den Sportplätzen.
1956 heiratete er Ruth und begann als Jugendtrainer bei Hertha 03.
1957 Er bestand die Prüfung zur DFB -Fußballlehrer – Lizenz bei Sepp Herberger
1958 Otto ist 32 und tritt am 30.10. ein bei Hertha 03, 3 Jahre vor mir.
1958 Tochter Petra wird geboren.
1963 Jugendtrainer Otto Höhne erringt das erste Mal mit einer Mannschaft die Doppelmeisterschaft.
1964 Otto wird von der Mehrheit zum neuen 1. Vorsitzenden von Hertha Zehlendorf gewählt. Fritz Gärtner als 2.
1966 Otto beginnt die Weltreisen – Es geht in den Osten der USA
1968 Er wird als 1. Vorsitzender bestätigt. Neuer 2. wird Klaus Gonsior. Die beiden engagieren sich äußerst intensiv beim Senat und beim Bezirk für den Bau eines Clubhauses (Sportbegegnungsstätte). Außerdem werben Otto und sein Freund Gerhard Schulte, der Trainer der 1.Männermannschaft und Ex-Trainer von Hertha BSC, erfolgreich die beiden Ex -Hertha BSC Bundesligaprofis Helmut Faeder und Hans-Günter Schimmöller an. Sie wechseln zu Hertha 03.
1969 1. Berliner Meisterschaft unserer Regionalligamannschaft. Gutes Abschneiden in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga.
1970 2. Berliner Meisterschaft unserer Regionalligamannschaft. Sehr gute Spiele mit 4 Heimsiegen in der Aufstiegsrunde zur BL.
1970 Am 5.9. wird zum Auftakt der Bauarbeiten für das neue Clubhaus auf dem Grundstück zwischen der Onkel-Tom-Straße und dem Siebenendenweg gesägt und gerodet. Dann wird mit den Firmen von Micha Krampitz und Achim Hamann die Baugrube ausgehoben und wir stoßen alle mit Otto auf den Baustart an.
1970 am 19. 9. folgt die Grundsteinlegung.
1971 Bereits am 1.7. ist das Gebäude fertig und es erfolgt die Übergabe durch den Senator und den Bezirksbürgermeister.
1973 Otto übernimmt als Rektor die Lenau Grundschule in Kreuzberg.
1974 Auf der Generalversammlung wählen (“befördern“) wir Otto (48) zum ersten Präsidenten von Hertha Zehlendorf. Stehende Ovationen!!! über 200 Mitglieder klatschen länger als 2 Minuten und skandieren seinen Namen. DANKE OTTO!!
1975 Am 9. Mai beendete Gerhard Schulte seine Trainerkarriere. Die Regionalligamannschaft verzeichnete viele Abgänge. Unser Verein hätte keine Mannschaft für die Spielzeit 75/76 der Reservemannschaften stellen können. Otto und Klaus Gonsior baten den Spielführer, Peter Riedel, und mich, den Trainer, ob wir helfen könnten mit unserem Team und einspringen würden. Wir stimmtenzu. Das Problem war gelöst.
1975 7. Weltreise . Otto akzeptiert mich als „Einspringer“, falls ein Reiseteilnehmer kurzfristig ausfällt. 1 Tag vor dem Abflug kam sein Anruf. Als nun mitreisender Fan erlebte ich meine erste und einzige Umrundung der Erde. Was für ein Hammer!! 12 Uhr mittags auf Tahiti – am 31.12.- stößt Otto (nun 49) mit mir (25) und allen Reiseteilnehmern das 1. Mal auf das Neue Jahr an. Dann um Mitternacht das 2. Mal, nun alle zusammen mit den Insulanern.
1984 kandidiert Otto nicht mehr. Klaus Gonsior wird Präsident. VBB Präsident Uwe Hammer (seit 1981) ehrt Otto mit dem Ehrenschild des Verbands.
1985 Uwe Hammer holt das Pokalendspiel nach Berlin. Unter seiner Leitung erhält der Verband den Namen Berliner Fußball-Verband (BFV).
1986 Otto kauft ein Wochenendgrundstück in Thören/Niedersachsen
1986 Otto wird zum Ehrenpräsidenten ernannt.
1988 Die B – Jugend wird Deutscher Jugendmeister
1990 Das Ende seines Arbeitslebens vor Augen, stellt sich Otto zur Wahl zum Präsidenten des BFV und wird gewählt. Das war eine bemerkenswerte Versammlung im Hotel Schweizerhof am 19. 3. Ich war Als 1. Vorsitzender des Steglitzer Vereins DJK Westen 23 stimmberechtigtes Mitglied. Es standen keine Vorstandswahlen an. Uwe Hammer war 6 Monate zuvor als Präsident wiedergewählt und bestätigt worden. Plötzlich war da Hektik im Saal. Die Zehlendorfer Höhne und Gonsior saßen zusammen mit Kursawa von Blau-Weiß 90 in der 1. Reihe. Plötzlich höre ich Uwe Hammer rufen: „Ich stelle die Vertrauensfrage! “Von Null auf 100 mussten wir Vereinsvertreter entscheiden, den Arm zu heben oder ihn unten zu lassen. Ein paar Männer zählten die erhobenen Arme per Augeneinschätzung. Von meinem Platz konnte ich die Richtigkeit des Zählens nicht erkennen. Dann die Ansage: Uwe Hammer hat nicht mehr die Mehrheit hinter sich. Also Neuwahlen! Otto Höhne stellt sich zur Wahl. - Wieder per Akklamation – “Zack“ Otto gewinnt. Plötzlich ist er der neue BFV-Präsident. Ich staune!
1990 Am 27. Juni geht Otto (63), nach fast 43 Dienstjahren, in den Ruhestand. Er wird in seiner Lenau Grundschule mit allem Respekt verabschiedet.
2004 Bis 8. Sept. leitete Otto Höhne den BFV und vertrat ihn beim DFB. Er erreichte die langzeitige Festlegung des Olympiastadions als Ort des Deutschen Pokalendspiels. 1996 war er Offizieller Vertreter des DFB beim EM – Finale in London. Genau so konnte er viele Annehmlichkeiten genießen und freundliche Einladungen im Rahmen seiner Aufgabe des Repräsentierens wahrnehmen. Aufgrund seiner Lebensleistung war ihm alles von Herzen zu gönnen.
2001 Er ist Mitbegründer der Egidius Braun Stiftung.
2001 am 30. Jahrestag des Bestehens unseres Clubhauses wird es umbenannt in Otto–Höhne–Haus. “Wir nehmen diesen Tag zum Anlass, unserem geliebten Otto ein wahres Denkmal
in seinem Beisein für seine unendlichen Verdienste zu setzen.“ Zitat A. Wiersma
2004 Am 8. 9. Übergab Otto sein Amt als BFV – Präsident an Bernd Schultz.
2006 Bei der WM sah ich Otto zusammen mit seiner Frau Ruth anlässlich des Spiels gegen Argentinien im Olympiastadion fröhlich winkend in der 1. Reihe der Ehrentribüne.
2013 Ottos Ehefrau Ruth verstirbt im Juni.
2024 Otto stirbt knapp 11 Jahre nach ihr am 28. April. Beide sind für immer vereint in einem Ehegrab auf dem Friedhof Onkel – Tom -Straße, wo sie heute , an diesem
besonderen Tag für ihn, von vielen Herthanern, seinem Nachfolger und seinem Vorgänger im BFV Präsidentenamt und etlichen weiteren Freunden besucht werden.
Mit der Hertha 03-Familie blicke ich in Dankbarkeit auf das lebenswerk von Otto Höhne.
Euer Peter Bubacz