30.09.2026 / 1. Herren
1:3 gegen den Spitzenreiter der 2. Bundesliga – und trotzdem ein Abend, der für den F.C. Hertha 03 Zehlendorf weit über das Ergebnis hinausgeht. Vor 3.323 Zuschauerinnen und Zuschauern im Ernst-Reuter-Sportfeld bot unsere Mannschaft Hertha BSC lange Paroli, spielte mutig Fußball und erzielte durch Dominik Kruska einen Treffer, der sinnbildlich für diesen besonderen Abend stand.
Flutlicht. Volle Ränge. Zwei blau-weiße Fahnen. Drohnen über dem Stadion. Und mittendrin eine Zehlendorfer Mannschaft, die sich gegen den Zweitliga-Spitzenreiter keineswegs verstecken wollte.
Schon lange vor dem Anpfiff war zu spüren, dass dieser Dienstagabend kein gewöhnliches Testspiel werden würde. 3.323 Zuschauerinnen und Zuschauer kamen ins Ernst-Reuter-Sportfeld und sorgten für eine Kulisse, die man in Zehlendorf nicht jeden Tag erlebt.
Hertha BSC selbst sprach anschließend von einem Testspielerfolg vor 3.323 Fans. Auch überregional sorgte die Begegnung für Aufmerksamkeit: BILD hob die beiden Drohnen über dem Stadion hervor und schrieb, dass sich der Zweitligist gegen den Oberligisten lange schwertat.
Doch wer an diesem Abend im Stadion war, brauchte keine Schlagzeile, um zu merken: Hier passierte gerade etwas Besonderes.
Die Rollen vor dem Spiel waren eigentlich eindeutig verteilt.
Auf der einen Seite Hertha BSC, Spitzenreiter der 2. Bundesliga und mit zahlreichen Profis im Kader. Auf der anderen Seite unsere Mannschaft aus der Oberliga.
Auf dem Platz war von übertriebener Ehrfurcht allerdings wenig zu sehen.
Bereits in der dritten Minute war Liam Brenn gefordert und blieb im Eins-gegen-eins gegen Soufian Gouram stark. Nur wenige Minuten später setzte Samet Ögüt mit dem ersten Zehlendorfer Abschluss ein eigenes Ausrufezeichen.
In der 18. Minute ging der Favorit dennoch in Führung. Gouram eroberte den Ball, umkurvte Brenn und schob zum 0:1 ein.
Doch Hertha 03 blieb bei seinem Plan.
Nicht nur tief stehen. Nicht nur zerstören.
Fußball spielen.
Und dann kam die 29. Minute.
Es war der vielleicht schönste Angriff des gesamten Abends.
Und vor allem: kein Zufallsprodukt.
Der Ausgleich begann ganz hinten beim Torhüter.
Hertha 03 spielte sich unter Druck sauber heraus. Der Ball wanderte über acht Stationen durch die eigene Mannschaft, durchs Mittelfeld und immer weiter nach vorne.
Kein Befreiungsschlag.
Kein zweiter Ball.
Kein Abstauber.
Sondern Fußball.
Im Mittelfeld wurde der Angriff weitergetragen. Yatkiner und Zirarov setzten sich dort beide stark durch, behaupteten den Ball unter Druck und brachten die Aktion gemeinsam entscheidend nach vorne.
Dann kam der Moment, der den Angriff endgültig öffnete.
Luca Krüsemann ließ den Ball kurz vor dem Strafraum clever durch die Beine laufen.
Hinter ihm stand Dominik Kruska bereit.
Kruska nahm die Situation an, blieb vollkommen ruhig und schob den Ball eiskalt in die linke Ecke.
1:1.
3.323 Menschen im Ernst-Reuter-Sportfeld.
Und plötzlich war richtig Leben in der Bude.
Auch an der Seitenlinie konnte man kaum glauben, wie sauber dieser Treffer herausgespielt worden war. Trainer Patrick Hinze jubelte und brachte es unmittelbar auf den Punkt:
„Wow, wie überragend war das gespielt.“
Genau das war es.
Ein Angriff über acht Stationen – vom eigenen Tor bis zum Abschluss gegen den Spitzenreiter der 2. Bundesliga.
Der offizielle Hertha-BSC-Spielbericht bezeichnete die Szene als „schnell vorgetragenen Angriff“, BILD schrieb von einem sehenswerten Zehlendorfer Konter. Aus unserer Perspektive war es noch mehr: ein Tor, das genau die Art Fußball zeigte, die diese Mannschaft spielen will.
Auch nach dem Ausgleich beschränkte sich Hertha 03 nicht darauf, das Ergebnis irgendwie in die Pause zu retten.
Die Mannschaft arbeitete geschlossen gegen den Ball, blieb mutig im Aufbau und suchte bei Ballgewinnen weiter den Weg nach vorne.
Kurz vor der Pause kam Luca Krüsemann noch einmal zum Abschluss und setzte den Ball knapp über das Tor.
Dann war Halbzeit.
Hertha 03 Zehlendorf 1:1 Hertha BSC.
Gegen einen Gegner, der normalerweise zwei Spielklassen höher unterwegs ist.
Und vor allem nach einer ersten Hälfte, in der unsere Mannschaft gezeigt hatte, dass sie an diesem Abend nicht nur Statist sein wollte.
Brenn – Mustapha, Samson, Krumhaar – Kruska, Ögüt, Zirarov, Ekalle – Yildirim, Krüsemann, Yatkiner
Trainer: Patrick Hinze
Zur zweiten Halbzeit wechselte Patrick Hinze nahezu komplett durch.
Auch das gehörte zum Charakter dieses Spiels: möglichst vielen Spielern die Chance geben, diesen besonderen Abend auf dem Platz zu erleben.
Hertha 03 ging nach der Pause mit einer nahezu neuen Mannschaft auf den Platz. Zirarov blieb zunächst auf dem Feld und spielte bis ungefähr zur 70. Minute weiter, ehe Yamada für ihn in die Partie kam.
Besonders erfreulich: Mit Lubert und Al-Asadi bekamen zwei Spieler aus der eigenen U19 die Möglichkeit, sich gegen Profis zu zeigen.
Und beide versteckten sich nicht.
Sie suchten ihre Zweikämpfe, wollten Fußball spielen und traten mutig auf.
Genau solche Momente stehen für den Weg, den Hertha 03 gehen möchte.
Hertha 03 war immer ein Verein, in dem Nachwuchsarbeit nicht nur ein Schlagwort ist.
Junge Spieler sollen hier nicht nur trainieren.
Sie sollen Perspektiven bekommen.
Sie sollen oben ankommen können.
Dass Lubert und Al-Asadi aus der U19 an diesem Abend vor mehr als 3.000 Zuschauern gegen Hertha BSC auf dem Platz standen, war deshalb mehr als eine nette Randnotiz.
Es war ein Zeichen.
Ein Zeichen für den Zehlendorfer Talente-Weg.
Vom Nachwuchs über die U19 bis hin zur 1. Mannschaft.
Und manchmal führt dieser Weg sogar noch weiter.
Wie eng die Fußballwege in Berlin miteinander verbunden sind, zeigte sich auch an diesem Abend mehrfach. Mit Liam Brenn, Marvin Krumhaar und Louis Samson standen bereits in der ersten Halbzeit drei Spieler für Hertha 03 auf dem Platz, die zuvor die Nachwuchsakademie von Hertha BSC durchlaufen hatten.
Nach der Pause übernahm mit Laurenz Pohlmann ein weiterer ehemaliger Hertha-Nachwuchstorhüter zwischen den Pfosten.
Damit trugen an diesem Abend gleich vier Spieler mit Vergangenheit im Nachwuchs von Hertha BSC das Trikot von Hertha 03.
Und selbst Herthas Torschütze Soufian Gouram kennt Zehlendorf aus eigener Erfahrung. Auch er spielte zeitweise im Nachwuchs von Hertha 03, bevor sein Weg später über die Akademie von Hertha BSC bis in den Profikader führte.
Solche Geschichten zeigen, wie eng die Berliner Fußballlandschaft miteinander verbunden ist – und welche Rolle Hertha 03 bei der Entwicklung junger Spieler spielen kann.
Natürlich zeigte der Zweitligist im zweiten Durchgang auch seine Qualität und seine enorme Kaderbreite.
Hertha-Trainer Stefan Leitl gab zahlreichen Nachwuchsspielern Einsatzzeit. Elijas Aslanidis traf unmittelbar nach Wiederbeginn die Latte, wenig später erspielte sich der Favorit weitere Möglichkeiten.
In der 64. Minute fiel schließlich das 1:2.
Aslanidis setzte sich auf der rechten Seite durch und flankte in den Strafraum, wo der erst 17-jährige Pino Will per Kopf zur erneuten Führung traf.
Doch auch danach brach Hertha 03 nicht auseinander.
Die Zehlendorfer verteidigten weiter leidenschaftlich und retteten in einer Szene sogar gemeinsam auf der Linie.
Erst in der 82. Minute sorgte erneut Pino Will mit seinem zweiten Treffer für die Entscheidung. Noah Wosnitza bediente ihn mit einem weiten Pass, Will verarbeitete stark und traf zum 1:3-Endstand.
Kurz vor Schluss scheiterte Kian Todorovic noch an der Unterkante der Latte.
Dann war Schluss.
Doch mit dem Schlusspfiff war dieser besondere Abend noch lange nicht vorbei.
Kaum war das Spiel beendet, strömten zahlreiche Kinder auf den Rasen. Binnen weniger Augenblicke bildeten sich überall auf dem Platz kleine Trauben rund um die Spieler von Hertha 03 Zehlendorf und die Profis von Hertha BSC.
Autogramme wurden gesammelt, Fotos gemacht, Trikots gezeigt, Hände geschüttelt. Überall standen Kinder mit leuchtenden Augen zwischen den Spielern und wollten diesen Abend noch ein kleines Stück länger festhalten.
Und sowohl unsere Mannschaft als auch die Spieler von Hertha BSC nahmen sich dafür bemerkenswert viel Zeit.
Geduldig wurden Autogrammwünsche erfüllt, Fotos gemacht und Fragen beantwortet. Niemand wirkte gehetzt, niemand wollte einfach nur schnell in die Kabine. Stattdessen gaben die Spieler den jungen Fans genau das zurück, was diesen Abend so besonders gemacht hatte: Nähe, Zeit und echte Begegnungen.
Gerade für die vielen Kinder im Stadion war das vermutlich einer dieser Momente, die weit über das Ergebnis hinaus in Erinnerung bleiben werden.
1:3 auf der Anzeigetafel – aber unzählige kleine Sieger auf dem Rasen.
Pohlmann – Lubert, Merke, Akinsete – Göth, Hellwig, Zirarov, Engelke – Al-Asadi, Saadaev, Steinborn
Yamada kam anschließend für Zirarov ins Spiel.
Trainer: Patrick Hinze
Gerade der Einsatz von Lubert und Al-Asadi aus unserer U19 machte diesen zweiten Abschnitt zusätzlich besonders.
Nicht nur Ergebnisverwaltung.
Nicht nur erfahrenen Spielern Minuten geben.
Sondern jungen Zehlendorfern zeigen:
Der Weg nach oben ist offen.
0:1 Soufian Gouram (18.)
1:1 Dominik Kruska (29.)
1:2 Pino Will (64.)
1:3 Pino Will (82.)
Zuschauer: 3.323
Am Ende steht in der Statistik eine Niederlage.
Aber dieser Abend lässt sich nicht auf ein 1:3 reduzieren.
3.323 Menschen kamen nach Zehlendorf.
Familien.
Kinder.
Fans.
Vereinsmitglieder.
Herthaner aus beiden Lagern.
Das Ernst-Reuter-Sportfeld war voll, die Flutlichter strahlten über den Platz und über dem Stadion entstanden aus der Luft Bilder, die man sonst eher aus deutlich größeren Arenen kennt.
Hertha BSC gegen Hertha 03.
Große Hertha gegen kleine Hertha.
Und trotzdem fühlte sich dieser Abend nicht nach Distanz an.
Sondern nach Berliner Fußball.
Vielleicht wird man sich in einigen Monaten nicht mehr an jede Torchance erinnern.
Vielleicht auch nicht mehr an jeden Wechsel.
Aber bestimmte Bilder bleiben.
Das volle Ernst-Reuter-Sportfeld.
Die Drohnen über dem Flutlicht.
Die jungen Zehlendorfer auf dem Platz.
Die Kinder, die nach dem Schlusspfiff über den Rasen liefen und ihre Idole umringten.
Und natürlich dieser eine Angriff.
Vom eigenen Torwart über acht Stationen bis zu Dominik Kruska.
Krüsemann lässt durch.
Kruska schiebt ein.
1:1.
Patrick Hinze dreht sich jubelnd um:
„Wow, wie überragend war das gespielt.“
Vielleicht beschreibt genau dieser Satz den Abend besser als jedes Ergebnis.
Hertha 03 hat gegen den Spitzenreiter der 2. Bundesliga verloren.
Aber die Mannschaft hat gezeigt, wie sie Fußball spielen möchte, wofür der Verein steht und welchen Weg junge Spieler in Zehlendorf gehen können.
Und 3.323 Menschen waren dabei.
Ein Abend, der bleibt.