04.04.2017 / 1. Herren

Olli's Nachbetrachtung zum 21. Spieltag

Olli's Nachbetrachtung im Zeitungsstil und als Text

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Günther hielt den Punkt fest

Zehlendorfer nach zwei Niederlagen erholt / Schröders gelungenes Comeback

Sie wirkten nicht glücklich, wie sie da auf ihren Plätzen im Bus Richtung Berlin kauerten. Eher ein wenig zerknirscht. „Wir haben heute wirklich keine gute Partie abgeliefert“, fand Zehlendorfs Nummer Acht, Darius Niroumand. Und Robert Schröder, eine Reihe vor ihm sitzend, schätzte seine eigene Leistung als „ganz, ganz schlecht ein. Ich bin überhaupt nicht zufrieden mit mir.“ Selbst der gerade einmal 18-jährige Schlussmann Eric Günther haderte immer noch mit sich und dem 2:2-Ausgleichstreffer: „Wenn ich schon zehn Oberliga-Spiele absolviert hätte, würde mir so ein Fehler wahrscheinlich nicht mehr unterlaufen.“ Dabei hatten sie gerade bei den in der Rückserie noch ungeschlagenen Altlüdersdorfern einen Punkt entführt, und jeder der drei Befragten hatte eine gehörigen Anteil am Teilerfolg.

Gegenüber der 1:6-Niederlage vor 14 Tagen hatte Trainer Alexander Arsovic sein Team auf einigen Positionen verändert. Die zuletzt gelb-rot gesperrten Erdal Özdal und Mike Ryberg rückten ebenso wieder in die Anfangsformation wie der zuletzt fast vier Monate fehlende Innenverteidiger Robert Schröder. Zudem stand erstmalig in einem Oberliga-Spiel Eric Günther im Kasten. Verzichten mussten die Zehlendorfer stattdessen auf den gelbgesperrten Stürmer Niclas Warwel.

Die Partie nahm von Beginn an Fahrt auf, dabei entwickelte sich in den 90 Minuten ein offener Schlagabtausch mit hohem Tempo und viel Einsatz, dem es nur manchmal an der spielerischen Linie fehlte. Aber das störte die Zuschauer nur wenig, wurden sie doch bestens unterhalten. Bereits in der 9. Minute hatte Günther erstmals Gelegenheit, seinen Einsatz zu rechtfertigen: Seine Fußabwehr gegen Cicek verhinderte einen frühen Rückstand. Auf der Gegenseite war es Niroumand, der seine Farben nach einer zu kurz abgewehrten Ryberg-Ecke mit einem herzhaften (und verdeckten) Hinterhaltsschuss 1:0 in Führung brachte (17.).

In der Folgezeit hatten die Zehlendorfer im Defensivbereich Schwerstarbeit zu verrichten, mussten Mentes, Schröder, Schleiff oder Özdal oftmals in letzter Sekunde klären, das Mittelfeld um Niroumand, Obst, Ryberg und Hopprich ein hohes Laufpensum absolvieren. Dass sich dennoch nicht alles verhindern lässt, liegt in der Natur der Sache. Ein Kopfball von Marten strich zunächst noch über das Tor (33.), doch nur zwei Minuten später war es geschehen: Ein 16-Meter-Schuss des agilen und jederzeit auffälligen Salhab setzte unglücklich vor Günther auf und schlug hinter ihm zum 1:1-Ausgleich ein. Erinnerungen wurden wach an den Schalker Anschlusstreffer im Achtelfinal-Rückspiel der Euro-League, als Gladbachs Torhüter Sommer zwar unglücklich aussah, aber letztlich keine Schuld traf – der Boden...!

Als sich alle schon auf den Pausentee eingerichtet hatten, rückte Schiedsrichter Scheller aus Waren in den Mittelpunkt. Einen Zweikampf zwischen Altlüdersdorfs Sidorowicz und Ryberg wertete er als Foul und traf dabei naturgemäß nicht auf Zustimmung bei den Gastgebern. Aus unserer Sicht wurde Ryberg schon behindert, den Elfmeter pfeifen jedoch wohl nur wenige Unparteiische – erst Recht nicht für Gästeteams. Doch hätte sich die gleiche Szene im Mittelfeld abgespielt, kaum einer hätte sich über den Pfiff beschwert...

Der gute Mike Ryberg hat sich vor seinem Schuss zum Glück wohl nur wenig Gedanken gemacht. Ansonsten hätte ihm so einiges durch den Kopf schwirren müssen. Angefangen von der alten Fußballer-Regel, der Gefoulte dürfe ja niemals selbst antreten (weil er mit hoher Wahrscheinlichkeit verschießt), bis hin zur Zehlendorfer „Krankheit“ der letzten Jahre, einen vernünftigen Elfmeterschützen zu finden. Wer hat sich da nicht schon alles versucht. Ryberg trat jedenfalls an, verwandelte derart kaltschnäuzig und souverän, dass man hoffen könnte,  eine Lösung für die Zukunft gefunden zu haben.

Schon neun Minuten nach dem Wechsel trat ein, was viele auf Altslüdersdorfer Seite erhofft und die Zehlendorfer befürchtet hatten: Eine Konzessionsentscheidung von Scheller. Doch Günther parierte den (nicht schlecht geschossenen) Strafstoß von Stoeter reaktionsschnell und hatte anschließend das Glück des Tüchtigen, dass Sentürks Nachschuss aus zwei Metern über den Kasten ging.

Fortan konnten sich die Zehlendorfer kaum noch aus der Umklammerung lösen. Man spürte, dass die Gastgeber in den letzten Wochen Selbstvertrauen getankt hatten, den Berlinern dagegen zwei Niederlagen (Brieselang und Lichtenberg) in den Knochen steckten. So fiel beinahe folgerichtig noch der Ausgleich: Ein langer Pass von Sidorowicz wird von Schröder falsch berechnet, Günther kommt einen Augenblick zu spät aus dem Gehäuse und „Schlitzohr“ Salhab nutzt die Gunst der Stunde und vollendet zum 2:2 (68.). „Der Treffer geht natürlich auf meine Kappe“, gestand Schröder hinterher ein und widersprach damit Günther, der eine Teilschuld auf sich nehmen wollte: "Lieber hätte ich den Ball, der zum 2:2 führte, gehalten als den Elfmeter". Um die Leistung der beiden Akteure aber mal ins rechte Licht zu rücken: Schröder wurde vollkommen zurecht von der Fußball-Woche als einer der Besten in der Begegnung genannt, Günther gar in die „Mannschaft des Spieltages“ berufen. Es gibt schlimmere Beurteilungen.

Als wenn der gehaltene Elfmeter nicht schon gereicht hätte, unterstrich Günther seine prima Form noch, indem er einen unhaltbar scheinenden Schuss von Owczarek, aus kurzer Distanz abgefeuert, parierte (84.). So blieb es bei einem leistungsgerechtem 2:2. Trainer Arsovic war hinterher nicht unzufrieden: „Nach dem 1:6 gegen Lichtenberg waren wir um Wiedergutmachung bemüht, das ist uns vom Ergebnis her gelungen.“

Im Tabellenbild treten die Zehlendorfer ein wenig auf der Stelle, aber das ist kein Beinbruch. Der Zug „ganz nach oben“ ist ohnehin abgefahren. Es gilt, die Zeit zu nutzen, um herauszufinden, mit wem man in der kommenden Spielzeit weiterarbeiten will. Da kann das eine oder andere Experiment gewagt werden – das mit Günther hat schon einmal gut funktioniert. Präsident Niroumand hat auf der Mitgliederversammlung am Freitag für die Zukunft ehrgeizige Ziele ausgegeben: Im Amateurfußball die Nummer Eins in Berlin zu werden und den Aufstieg in die Regionalliga zu realisieren. Die Mannschaft hat die Botschaft vernommen.